In den Tannheimer Bergen

Gimpel, Kaiserschmarrn und Sonnenbrand

In den Tannheimer Bergen geht’s nicht unbedingt hoch hinaus, aber steil hinauf. Die Jugendgruppenfahrt führte dieses Jahr auf die Tannheimer Hütte, die neben dem riesigen Gimpelhaus, das zehn Minuten entfernt steht, sehr schnuckelig und wirklich urig wirkt. Die erste Nacht war es dann auch etwas eng in der Hütte. Genauergesagt war es proppenvoll und Marion, die Hüttenwirtin, hat unter „Jugendgruppe“ wahrscheinlich etwas kleinere und schmälere Jugendliche erwartet, als unsere schon fast ausgewachsenen, meist sechzehnjährigen Jungs. Mädels waren dieses Jahr nur Jugendleiterinnen dabei. Das Sechserlager war daher für unsere acht Männer etwas unterdimensioniert, Rumdrehen war nur auf Kommando möglich. Nachdem Marion am nächsten Tag ebenfalls feststellte, dass das ja alles ausgewachsene Kerle sind, bekamen wir noch Platz dazu. Die folgenden Nächte waren daher auch wirklich erholsam, was nach dem Tagesprogramm an den drei Kletter- und einem Wandertag auch unbedingt nötig war. Das Wetter war bis zum späteren Nachmittag immer gut, dann ging’s aber auch mal richtig zur Sache. Meist saßen wir gerade beim Abendessen, da legte es los: Mit Blitz und Donner, Hagelkörnern von einem Zentimeter Durchmesser und abgestelltem Strom. Nach spätestens einer Stunde war der Spuck vorbei und am nächsten Morgen schien wieder die Sonne, so man sich schnell einen Sonnenbrand zuzog. Das Tagesprogramm sah also meistens frühes Aufbrechen in kleineren Gruppen vor, dann eigentlich geplantes Zusammentreffen zum Mittagessen auf der Hütte, Lagebesprechung wegen der aufziehenden Wolken und dann eventuell erneutes Losziehen zum Klettern. Allerdings lief es dann meist doch anders. Nach der ersten Tour stellte man fest: es ist ja noch früh, Müsliriegel und Trinken reichen noch, das Wetter hält, also gleich in die nächste Tour und dann schnell vor dem Regen zu den Käsespatzen und ein paar Runden nix unter Zehntausend spielen. Die Routenauswahl umfasste dabei von sportklettermäßig abgesicherte Mehrseillängenrouten am Gimpelvorbau und der Zwerchwand, über Klassiker wie die Westkante am Gimpel mit „Nur Mut Johann“, die alte Südwand an der Roten Flüh, die Schusterführe am Hochwiesler ein weites Spektrum und lies auch Platz für Eigenkreationen wenn sich mal wieder vier Routen kreuzten und man dann doch eine andere wählte als vorgesehen. Das dementsprechend nicht jeder gleich vorsteigen will ist klar. Schließlich ist das auch in gut abgesicherten Routen manchmal nicht so einfach. Was macht man eigentlich, wenn kein Stand kommt, die Exen zu Neige gehen und das Seil aus ist, Dazu Kommunikation durch Wind und Felskanten fast unmöglich wird? Zurückklettern? Stand am Normalhaken machen? Oder sich einfach durch die zweite Seilschaft die noch unterwegs ist helfen lassen. Nach einem ersten Vorstiegssturz war es auch angenehm, wieder nachzusteigen. Und bei nicht ganz logisch verlaufenden Routen braucht man vor allem für die Routenfindung einiges an Erfahrung und der Fähigkeit den Fels zu lesen. Unsere jedoch eigentlich alpinste Route unternahmen wir am Tag mit dem unsichersten Wetter. Eine „gemütliche“ Wanderung auf die Gehrenspitze und den Schneid. Hoch auf die Gehrenspitze war schon deutliche Trittsicherheit gefragt, runter legten wir dann doch lieber ein Fixseil. Der Schneid war zwar technisch nicht besonders schwierig, aber schwindelfrei muss man schon sein, wenn man genau auf dem Grat läuft und es links und rechts sehr steil bergab geht. Trotz der Anstrengung ließen sich die Jungs es nicht nehmen am Abend an der Hütte angekommen noch Getränkekästen zu schleppen um sich so ein Freigetränk zu verdienen. Es waren also für jeden sehr spannende Tage voller neuer Erfahrungen, Austesten des eigenen Könnens und vor allem viel Spaß und gutem Essen (Kaiserschmarrn gibt’s nur bei gaaaanz liebem Lächeln). Vielen Dank an das Hüttenteam. Leider soll die Tannheimer Hütte nun endgültig abgerissen und ersetzt werden, durch eine deutlich größere. Wir hoffen die Sektion Kempten schafft es, die Hütte nicht nur modern, sondern auch wieder gemütlich zu gestallten. Da Marion und ihr Mann Thomas dort nicht weiterarbeiten wollen, werden sie die Hütte wechseln. Die Nachricht für die neue Pacht bekamen sie just während unseres Aufenthalts, wodurch unser letzter Abend weit über die Hüttenruhe hinaus am Lagerfeuer mit Unterhaltung und Gesang endete. Wir freuen uns aufs nächste Jahr, dann voraussichtlich auf eine Woche Zelten. Dabei waren: Jungendliche Jungs: Christian, Andreas, Stefan, Roman, Sebastian Jugendleiter: Franzi, Christian, Annatina Jugendreferent: Fritz Sonstige: Johnny