Uhus in the rain...

Das Wochenende Mitte Juli naht und der Wetterbericht verheißt leider nicht Gutes... Nichtsdestotrotz steigen 25 begeisterte Radler um halb 9 mit Regenschutz und Proviant in den Radlbus am Hallenbad. Von allen Himmelsrichtungen aus haben wir in den letzten 5 Jahren unsere Heimatstadt Kulmbach per Rad angefahren, diesmal soll es aus südöstlicher Richtung geschehen. Demnach fahren wir komfortabel per Bus in den Oberpfälzer Wald und entladen unsere Drahtesel direkt neben der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

1938 wurde das Konzentrationslager wegen des hiesigen Granitvorkommens errichtet. Bis 1942 mussten die Häftlinge hauptsächlich in den Steinbrüchen für die SS arbeiten. Ein mulmiges Gefühl überkommt einen, zumal auch der Nebel für eine gespenstische Stimmung sorgt. Nichts wie los! Recht bald geht es bergauf, sodass der Kreislauf angeregt wird und die kalten Finger und Füße langsam wieder aufwärmt... Das Grau wird immer dichter, aber unsere gute Laune lassen wir uns nicht nehmen!

Die Ruine Schellenberg mit 865 m wird erklommen, auch wenn die Aussicht weniger spektakulär ist. Der große Rabe, Tschechien und das Naabtal lassen sich nur erahnen. So triefend nass wie wir sind, gönnen wir uns stattdessen ausnahmsweise ein Stamperl Schnaps. Eine Wohltat bei diesem Grad der Durchfeuchtung! Grünes Dach- Radweg heißt unsere Fahrstrecke, schön wär’s ... es regnet weiter!

Die Regenschauer haben die herrlich ausgearbeiteten Forstwege in sandigschleifende, bremsende und uns schwer voranbringende Radstrecken verwandelt. In Liebenstein gibt es die ersehnte Stärkung in einem alten stillgelegten Bahnhof. Auch feuchte Brotzeit kann lecker schmecken!

Die alte Bahntrasse ist leider nicht ausgebaut, also heißt es neue Wege finden. Es geht in die Senke der 1000 Teiche im Tirschenreuther Land nahe dem Böhmerwald und der tschechischen Grenze. Aufgrund des Nieselregens fällt es uns schwer, die Schönheit dieses größten zusammenhängenden Teichgebietes Deutschlands zu bewundern. Den beabsichtigten Abstecher nach Tschechien streichen wir schweren oder auch leichten Herzens!? Auch die monolithischen Findlinge sind teils nur zu erahnen, dabei haben sie so schöne Namen wie Walfischfelsen! Mitten im Naturschutzgebiet Waldnaabtal liegt die Jugendherberge Falken- Tannenlohe. Hier spritzen wir als erstes unsere schlammfarbenen geschundenen Drahtesel ab! So mancher Bremsklotz hat bei 51 km Fahrstrecke schwer unter dem Quarzsand gelitten...

Am 2. Tag können wir erfreulicherweise trotz schlechter Prognosen ohne Regen starten. Auch die Schuhe fühlen sich dank des über Nacht hineingestopften Zeitungspapiers eher trocken an!

Die sportlicheren Radler wählen heute die anspruchsvollere Strecke und überqueren den Naturpark Steinwald, die anderen erreichen Neusorg über das Fichtelnaabtal. Hier beendet ein Teil der Radlgruppe aufgrund von Verschleißerscheinungen an Rad und Radler die Tour und fahren mit der Bahn zurück, die Unermüdlichen erkunden den neuen Fichtelnaabradweg und kehren vor dem nächsten großen Regenschauer in einem Wirtshaus ein.

Frisch gestärkt geht es schließlich hinauf in das Fichtelgebirge. Hier werden wir immer wieder an die Urgebirgsmasse erinnert. Die Anstiege auf die runden Formen des Granits bringen uns nach Mehlmeisel und zur Ochsenkopf Südseite.

Der Goldberg verheißt eine goldene sonnige Aussicht, die wir ausgiebig genießen, dann läuft es fast wie von selbst über Goldmühle weiter nach Bad Berneck, Rauhhügel, Lanzendorf und Ziegelhütte. Abschied nehmen wir nach fast 80 km in Trebgast nach einem allerletzten Schauer...glücklicherweise wärmt die Sonne danach wieder! Uns kann doch kein noch so schlechtes Wetter die gute Laune verderben! Bis zum nächsten Mal.

Ute Weber