Berggeflüster

Der gute Wanderführer plant, was er kann: Er wählt gewissenhaft eine geeignete Strecke aus, die er idealerweise kurz vor der geführten Wanderung noch einmal abgeht. Er weiß, wo man parken und wo man nach der Wanderung einkehren kann, und er hat sich informiert über das eine oder andere Wissenswerte am Weg. Mehr kann er nicht tun. Weder die Laune seiner Mitwanderer kann er beeinflussen noch die Temperatur des Bieres in der Wirtschaft. Und schon gar nicht das Wetter.

Obwohl: Es soll Wanderführer geben, bei denen ist das Wetter eine Konstante, mit der zu rechnen ist. Egal, ob Winter oder Sommer, radspitze, Külmitzberg oder gleichberge: Zuverlässig sorgen sie dafür, dass es schüttet wie aus Eimern. Und stürmt. Und neblig ist. So neblig, dass die mitwanderer einfach glauben müssen, was der Wanderführer ihnen erzählt. Dass die Aussicht vom Turm auf der Radspitze grandios, der Blick vom großen Gleichberg auf die Rhön einzigartig und die vorgeschichtliche Wallanlage auf dem Külmitzberg historisch hochinteressant ist.

Glauben Sie nicht, dass so etwas für den Wanderführer einfach ist! Da tauchen Probleme auf, die andere auch nicht ansatzweise haben: muss der Verein die vom Sturm ramponierten regenschirme ersetzen? Wie bekommt man die Autositze wieder trocken? Und wie erklärt man es den eigenen Kindern, dass man nach einer solchen Wanderung, triefend und mit kalten Füßen, schon mal zur Schnapsflasche greift?

Andererseits sind es natürlich gerade diese Wanderungen, die im Gedächtnis bleiben. Wer weiß schon noch genau, wie das damals war an der Siegritz-Quelle oder im Steinachtal? Der Schneesturm am Eulenberg und die Sprünge über den rasant anschwellenden Bach – die bleiben im Gedächtnis.

Und vielleicht erinnert sich der eine oder andere in einigen Monaten immer wieder gern an die Wanderung zur „Blauen Lagune“, die im April auf dem Programm steht. Dort soll es, so habe ich gehört, auch bei Regen ganz wunderschön sein!

Katrin Geyer (Regenwanderführerin)